Testosteron beim Mann
Wichtigstes Androgen für Muskelmasse, Libido und Energie. Wann ist Testosteron-Substitution beim Mann sinnvoll und wo sind die Risiken?
Inhalt
Was Testosteron beim Mann ist
Testosteron ist das wichtigste männliche Sexualhormon, gebildet zu 95 Prozent in den Hoden. Bei Männern beeinflusst es Muskelmasse, Knochenstärke, Spermienproduktion, Stimmung, sexuelles Verlangen, Energieniveau und kognitive Leistung. Auch Frauen produzieren Testosteron, allerdings in deutlich kleineren Mengen.
Der Spiegel sinkt physiologisch ab dem 30. Lebensjahr um etwa 1 bis 2 Prozent pro Jahr. Diese natürliche Abnahme ist nicht krankhaft, kann aber bei einigen Männern symptomatisch werden. Wenn Testosteron unter etwa 350 ng/dl fällt und Symptome auftreten, sprechen Mediziner von Late-Onset Hypogonadism oder klinisch von Andropause.
Wann ein niedriger Wert wirklich Symptome macht
Vier Hauptzeichen.
Erstens, spürbarer Libido-Verlust, der mehr als nur normale Schwankungen umfasst.
Zweitens, Erektile Dysfunktion trotz erhaltenem Verlangen.
Drittens, Müdigkeit, die nicht durch Schlafverbesserung verschwindet.
Viertens, Muskelverlust trotz Training und/oder Bauchfett-Zunahme ohne Veränderung der Ernährung.
Wichtig: Symptome sind unspezifisch. Müdigkeit kann auch von Schlafapnoe, Depression, Schilddrüsen-Unterfunktion oder Insulinresistenz kommen. Eine Diagnose nur nach Symptomen ist unzuverlässig, ein Bluttest gehört dazu.
Wie der Wert gemessen wird
Testosteron wird im Blut bestimmt, idealerweise zwischen 7 und 10 Uhr morgens, weil der Wert tagsüber schwankt. Eine einzige Messung genügt nicht für die Diagnose, mindestens zwei Messungen an verschiedenen Tagen.
Wichtige Werte:
- Gesamttestosteron: Standardmaß
- Freies Testosteron: nur etwa 2 Prozent des Gesamttestosterons sind biologisch aktiv
- SHBG: bindet Testosteron, hohe Werte reduzieren die freie Wirkmenge
- LH und FSH: helfen, primären (Hodenproblem) von sekundärem (Gehirnproblem) Hypogonadismus zu unterscheiden
Orientierungswerte für Gesamttestosteron:
- über 500 ng/dl: gut
- 350 bis 500 ng/dl: grenzwertig, individuell prüfen
- unter 350 ng/dl: erniedrigt, bei Symptomen behandlungswürdig
Testosteron-Ersatz-Therapie
Bei klar diagnostiziertem Hypogonadismus mit Symptomen ist TRT (Testosterone Replacement Therapy) eine etablierte Behandlung. Verabreicht als Gel auf die Haut, als Spritze (alle 1 bis 4 Wochen), oder als Implantat unter die Haut.
Die TRAVERSE-Studie (Lincoff et al. 2023, NEJM) hat 5.246 Männer mit niedrigem Testosteron drei Jahre lang behandelt. Wichtigste Erkenntnis: TRT erhöhte das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall nicht. Diese Sorge hatte den Einsatz lange ausgebremst. Andere Studien zeigen verbesserte Muskelmasse, Knochendichte, Stimmung und sexuelle Funktion.
Nebenwirkungen von TRT: erhöhte Erythrozyten-Bildung (kann Aderlass nötig machen), unterdrückte eigene Testosteronbildung (mit reversiblen Auswirkungen auf Spermienproduktion), gelegentlich Akne oder Brustempfindlichkeit.
Was den Wert natürlich hebt
Drei evidenzbasierte Hebel.
Erstens, Krafttraining. Schwere Compound-Übungen wie Kniebeuge und Kreuzheben zeigen die stärksten akuten Testosteron-Anstiege. Die langfristige Auswirkung auf Ruhewerte ist klein, aber positiv.
Zweitens, ausreichend Schlaf. Männer, die unter 5 Stunden schlafen, haben bis zu 15 Prozent niedrigere Testosteron-Spiegel.
Drittens, Bauchfett reduzieren. Viszerales Fett wandelt Testosteron in Östrogen um (über das Enzym Aromatase). Wer abnimmt, hat oft messbar höheres Testosteron ohne weitere Maßnahmen.
Was nicht hilft: Booster-Pillen, Tribulus, Maca, die meisten Supplemente. Studien zeigen keine oder minimale Effekte. Nur bei klarem Zink- oder Vitamin-D-Mangel hilft die Substitution.
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Primärquellen
Eine Auswahl peer-reviewter Primärquellen wird in einer kommenden Version verlinkt. Für klinische Entscheidungen konsultiere bitte qualifizierte ärztliche Beratung.
