DHEA
Vorstufe vieler Sexualhormone. Was bringt DHEA-Supplementation jenseits des Hypes wirklich?
Inhalt
Was DHEA ist
DHEA steht für Dehydroepiandrosteron, ein Hormon-Vorläufer, der in der Nebennierenrinde gebildet wird. Aus DHEA stellt der Körper bei Bedarf Testosteron und Östrogen her. Die Konzentration von DHEA-S (der Sulfat-Form) im Blut sinkt mit dem Alter dramatisch. Junge Erwachsene haben etwa fünf Mal so viel wie 70-Jährige.
Diese altersbedingte Abnahme hat DHEA zum Ziel zahlreicher Anti-Aging-Versprechen gemacht. Die Idee: Wenn der DHEA-Wert mit dem Alter sinkt und alte Menschen weniger Energie haben, müsste DHEA-Substitution doch helfen. Die Datenlage hält dieses einfache Bild nicht.
Was die Studien zeigen
Die Nair-Studie (2006, NEJM) hat in einer randomisierten kontrollierten Untersuchung 87 ältere Männer und 57 ältere Frauen zwei Jahre lang mit DHEA oder Placebo behandelt. Ergebnis: keine signifikanten Vorteile bei Lebensqualität, körperlicher Leistungsfähigkeit, Insulin-Sensitivität oder Knochendichte. Der Effekt war praktisch null.
Die Genazzani-Studie (2007, Climacteric) bei Frauen in der Perimenopause zeigte moderate Verbesserungen bei Stimmung und Libido, aber keine messbaren Effekte auf metabolische Marker.
In Summe: DHEA als Allgemein-Anti-Aging-Mittel ist überschätzt. Die einfache Logik "niedrig im Alter, also substituieren" stimmt nicht.
Wo DHEA tatsächlich helfen kann
Drei spezifische Indikationen sind besser belegt.
Erstens, Nebennierenrinden-Insuffizienz (Morbus Addison). Hier ist DHEA-Substitution Teil der Standard-Therapie und sinnvoll.
Zweitens, postmenopausale Frauen mit niedriger Libido. Niedrig dosierte DHEA-Substitution (10 bis 25 mg) kann Stimmung und sexuelles Empfinden verbessern. Empfehlenswert nur unter ärztlicher Begleitung.
Drittens, Frauen mit POI (vorzeitige Ovar-Insuffizienz) bei Kinderwunsch-Therapie. Hier laufen aktuell weiter Studien zur Eizell-Qualität.
Was die Risiken sind
DHEA wandelt sich in Testosteron und Östrogen um. Bei Frauen kann das zu Akne, Bartwuchs und Stimmveränderungen führen. Bei Männern zu Östrogen-bedingten Effekten wie Brustempfindlichkeit.
Wichtig: Bei hormonempfindlichen Krebsarten (Brustkrebs, Prostatakrebs, Ovarialkrebs) ist DHEA kontraindiziert.
In Deutschland ist DHEA nicht als Arzneimittel zugelassen. Verfügbar ist es als verschreibungspflichtiges Rezepturarzneimittel über spezielle Apotheken oder als Import. Selbstkauf über das Internet ist riskant wegen unklarer Qualität und Dosierung.
Wie der Wert gemessen wird
DHEA-S im Blut, idealerweise morgens. Der Wert sinkt mit dem Alter linear, daher gibt es alterskorrigierte Referenzwerte.
Männer:
- 20 bis 30 Jahre: 280 bis 640 µg/dl
- 50 bis 60 Jahre: 70 bis 310 µg/dl
- über 70 Jahre: 30 bis 200 µg/dl
Frauen liegen etwa 30 Prozent niedriger als Männer in jeder Altersgruppe.
Pragmatische Einordnung
Wer einen normalen DHEA-Wert für sein Alter hat und keine spezifische Indikation, hat keinen Grund für eine Substitution. Wer eine spezifische Indikation hat, sollte das mit einem Endokrinologen oder Gynäkologen besprechen, nicht selbst.
Der Hype um DHEA als Anti-Aging-Mittel ist deutlich abgeflaut, seit die größeren Studien ernüchtert haben. Was bleibt, ist eine sinnvolle Therapie für klar definierte Patientengruppen, kein Wundermittel für jedermann.
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Eine Auswahl peer-reviewter Primärquellen wird in einer kommenden Version verlinkt. Für klinische Entscheidungen konsultiere bitte qualifizierte ärztliche Beratung.
