Herz-KreislaufEmerging Evidence

Schlaganfall-Prävention

Welche Maßnahmen senken das Schlaganfallrisiko nachweislich?

Inhalt

Worum es geht

Ein Schlaganfall ist die plötzliche Unterbrechung der Blutversorgung in einem Teil des Gehirns. In den meisten Fällen (etwa 85 Prozent) liegt die Ursache in einem Gefäßverschluss, einem ischämischen Schlaganfall. Bei den restlichen 15 Prozent platzt ein Gefäß im Gehirn, das ist eine Hirnblutung (hämorrhagischer Schlaganfall). In Deutschland erleiden jedes Jahr rund 270.000 Menschen einen Schlaganfall, etwa ein Drittel verstirbt innerhalb eines Jahres, ein weiteres Drittel bleibt dauerhaft beeinträchtigt.

Die gute Nachricht aus der Forschung: Schlaganfall ist zu 80 bis 90 Prozent vermeidbar. Die INTERSTROKE-Studie (O'Donnell et al. 2016, Lancet) hat 26.919 Personen aus 32 Ländern untersucht. Zehn Risikofaktoren erklären zusammen 90 Prozent aller Schlaganfälle. Die meisten davon sind beeinflussbar.

Die zehn größten Hebel

Die INTERSTROKE-Daten ergeben eine klare Hierarchie:

  • Bluthochdruck (verantwortlich für etwa 47 Prozent der Schlaganfälle)
  • Bewegungsmangel (35 Prozent)
  • ungesunde Ernährung (23 Prozent)
  • ApoB-Anstieg (27 Prozent)
  • Bauchfett (18 Prozent)
  • Rauchen (12 Prozent)
  • Diabetes (4 Prozent)
  • Alkohol über 2 Drinks pro Tag (6 Prozent)
  • chronischer Stress (5 Prozent)
  • Vorhofflimmern (9 Prozent)

Die Prozentwerte überlappen, weil viele Risikofaktoren gemeinsam auftreten. Aber das Bild ist klar: Wer Blutdruck, Bewegung, Ernährung und ApoB im Griff hat, deckt einen Großteil der Risiken ab.

Vorhofflimmern als unterschätzter Faktor

Etwa jeder fünfte ischämische Schlaganfall geht auf Vorhofflimmern zurück, eine Herzrhythmusstörung, bei der das Vorhofgewebe nicht mehr koordiniert pumpt. Im stehenden Blut bilden sich Gerinnsel, die ins Gehirn wandern können. Vorhofflimmern bleibt oft unbemerkt, weil viele Menschen die unregelmäßigen Schläge nicht spüren.

Hier hat die Smartwatch-Generation einen echten medizinischen Mehrwert. Apple Watch, Fitbit und ähnliche Geräte erkennen Vorhofflimmern mit hoher Treffsicherheit. Wer ab 60 unerklärtes Herzklopfen oder kurze Schwächephasen hat, sollte ein 7-Tage-EKG durch den Hausarzt erwägen. Bei nachgewiesenem Vorhofflimmern senken moderne Blutverdünner (DOAKs wie Apixaban oder Rivaroxaban) das Schlaganfall-Risiko um 60 bis 70 Prozent.

Die ersten Stunden zählen

Wenn ein Schlaganfall passiert, entscheiden Minuten über das Ausmaß des Schadens. Die FAST-Regel hilft Laien, einen Schlaganfall zu erkennen:

  • Face: Hängt eine Gesichtshälfte oder ist das Lächeln einseitig
  • Arms: Sinkt ein Arm ab, wenn beide ausgestreckt werden
  • Speech: Ist die Sprache verwaschen oder fehlen Worte
  • Time: Sofort 112 anrufen, jede Minute zählt

Die wichtigste Therapie heißt Lyse (Auflösung des Gerinnsels per Medikament) oder Thrombektomie (mechanisches Herausziehen über einen Katheter). Beide funktionieren am besten innerhalb der ersten 4,5 Stunden, manchmal bis 24 Stunden.

Praktischer Hebel-Plan

Aus Longevity-Sicht haben drei Maßnahmen das beste Verhältnis von Aufwand zu Effekt.

Erstens, Blutdruck dauerhaft systolisch unter 120 mmHg. Schon eine Senkung um 10 mmHg reduziert das Schlaganfall-Risiko um 27 Prozent (Lewington et al. 2002).

Zweitens, ApoB unter 80 mg/dl, bei Risiko-Profil unter 60 mg/dl. Der Effekt auf den Schlaganfall ist schwächer als auf den Herzinfarkt, aber konsistent positiv.

Drittens, regelmäßige Bewegung. Drei Mal pro Woche 30 Minuten zügiges Gehen reichen, um das Risiko um 25 bis 30 Prozent zu senken.

Schlaganfall ist eine Krankheit der zweiten Lebenshälfte, deren Vorbeugung in der ersten beginnen muss. Die Gefäße, die mit 75 platzen, wurden in den vier Jahrzehnten davor langsam aber stetig geschwächt.

Primärquellen

Eine Auswahl peer-reviewter Primärquellen wird in einer kommenden Version verlinkt. Für klinische Entscheidungen konsultiere bitte qualifizierte ärztliche Beratung.