HormoneEmerging Evidence

Schilddrüse (TSH/fT3/fT4)

Stoffwechsel-Steuerung über Schilddrüsenhormone. Welche Schilddrüsenwerte sind im optimalen Bereich für Energie und Stoffwechsel?

Inhalt

Was die Schilddrüse macht

Die Schilddrüse ist eine kleine schmetterlingsförmige Drüse am Hals, etwa 20 bis 30 Gramm schwer. Sie produziert die Hormone T4 (Thyroxin) und T3 (Trijodthyronin), die in fast jeder Körperzelle Stoffwechsel-Aktivität steuern. Funktioniert die Schilddrüse zu schwach, läuft das System auf Sparflamme. Funktioniert sie zu stark, läuft es auf Hochtouren.

Die Steuerung erfolgt von der Hirnanhangsdrüse über das Hormon TSH (Thyroidea-stimulierendes Hormon). Bei niedriger Schilddrüsenfunktion produziert die Hirnanhangsdrüse mehr TSH, um die Drüse anzukurbeln. Bei hoher Funktion sinkt das TSH.

Welche Werte zählen

Vier Werte sind in der Diagnostik wichtig.

Erstens, TSH. Der zentrale Routine-Wert. Niedrig bei Überfunktion, hoch bei Unterfunktion. Normbereich offiziell 0,4 bis 4,0 mU/l, aus Longevity-Sicht ist 0,5 bis 2,5 mU/l ein guter Zielbereich.

Zweitens, fT4 (freies Thyroxin). Das im Blut zirkulierende Hauptprodukt der Schilddrüse, noch nicht aktiv. Gibt Auskunft über die Produktionsleistung.

Drittens, fT3 (freies Trijodthyronin). Das eigentlich wirksame Hormon, in der Leber und in den Geweben aus T4 umgewandelt. Wichtig bei Verdacht auf Umwandlungsstörung.

Viertens, TPO-Antikörper. Hinweis auf Hashimoto-Thyreoiditis, die häufigste Ursache der Unterfunktion in Deutschland.

Symptome einer Schilddrüsen-Unterfunktion

Die Beschwerden sind unspezifisch und werden oft anderen Ursachen zugeschrieben.

  • chronische Müdigkeit trotz ausreichend Schlaf
  • Frieren, vor allem an Händen und Füßen
  • trockene Haut, brüchige Nägel, Haarausfall
  • ungewollte Gewichtszunahme oder schwer zu halten
  • Verstopfung
  • depressive Verstimmung, kognitiver Nebel
  • Muskelschmerzen, Kraftlosigkeit
  • erhöhtes Cholesterin

Die Surks-Übersicht (2007, JAMA) zur subklinischen Hypothyreose hat gezeigt: Schon bei TSH-Werten zwischen 4,0 und 10,0 mU/l mit normalen fT4-Werten gibt es bei einigen Patienten kardiovaskuläre und metabolische Auswirkungen. Behandlungsbedürftigkeit ist aber individuell.

Was die Werte beeinflusst

Drei Hauptfaktoren.

Erstens, Autoimmun-Erkrankung Hashimoto. Häufigste Ursache der Unterfunktion. TPO-Antikörper sind erhöht. Die Diagnose verändert die Therapie nicht, hilft aber beim Verstehen.

Zweitens, Jodmangel. In Deutschland selten, aber möglich bei strikter Vermeidung von Jodsalz und Meeresfisch.

Drittens, Stress und Schlafmangel. Chronischer Stress senkt die Umwandlung von T4 zu aktivem T3.

Behandlung

Bei manifester Unterfunktion (TSH über 10 mU/l oder Symptome plus erhöhter TSH) ist L-Thyroxin (Levothyroxin) die Standardtherapie. Eine Tablette täglich morgens nüchtern, mindestens 30 Minuten vor dem Frühstück. Die Einstellung dauert oft 6 bis 12 Wochen, dann TSH-Kontrolle.

Bei manchen Patienten reicht T4 allein nicht. Wer trotz normalisiertem TSH müde bleibt, kann Kombinationspräparate mit T3 ausprobieren, allerdings nur unter ärztlicher Begleitung.

Was Lebensstil bringt

Selen und Zink unterstützen die Umwandlung von T4 zu T3. Bei nachgewiesenem Mangel hilft die Substitution. Stressmanagement, ausreichend Schlaf und moderate Bewegung wirken positiv. Sehr strenge Low-Carb-Diäten können bei manchen Menschen die T3-Konversion senken.

Schilddrüsen-Werte einmal im Jahr zu prüfen lohnt sich. Vor allem Frauen ab 40 sollten den TSH im Auge behalten, weil Hashimoto in dieser Gruppe häufig ist und oft jahrelang unentdeckt bleibt.

Primärquellen

Eine Auswahl peer-reviewter Primärquellen wird in einer kommenden Version verlinkt. Für klinische Entscheidungen konsultiere bitte qualifizierte ärztliche Beratung.