HormoneEmerging Evidence

Östrogen und Menopause

Sexualhormon der Frau und Schlüssel zur Menopause-Symptomatik. Wie ändert sich der Östrogen-Status in der Menopause und wann hilft eine HRT?

Inhalt

Was Östrogen ist und wie sich der Status ändert

Östrogen ist der Sammelbegriff für drei verwandte Hormone: Estradiol (E2, das wichtigste in der reproduktiven Phase), Estron (E1, dominant nach der Menopause) und Estriol (E3, dominant in der Schwangerschaft). Östrogen wird hauptsächlich in den Eierstöcken produziert, daneben in kleineren Mengen im Fettgewebe und in den Nebennieren.

Während der reproduktiven Jahre schwankt Estradiol zyklisch und steuert Menstruation, Eisprung, Knochengesundheit, Herz-Kreislauf-Schutz, Hautelastizität und kognitive Funktion. Mit dem Beginn der Perimenopause (typisch zwischen 40 und 50) werden die Schwankungen extremer, dann sinkt die Produktion. Die Menopause ist erreicht, wenn ein Jahr keine Periode mehr stattgefunden hat, durchschnittlich mit 51 Jahren.

Was sich biologisch ändert

Der Östrogen-Verlust hat weitreichende Folgen, weil das Hormon in fast jedem Organ wirkt.

  • Knochen: Beschleunigter Knochenabbau, Osteoporose-Risiko steigt deutlich
  • Herz-Kreislauf: Schutzeffekt entfällt, Atherosklerose-Risiko steigt
  • Hirn: Veränderungen in Stimmung, Schlaf, Konzentration; ApoE4-Trägerinnen haben erhöhtes Demenz-Risiko
  • Stoffwechsel: Zunahme an Bauchfett, Insulinresistenz steigt
  • Haut und Schleimhäute: Trockenheit, Verdünnung, Veränderungen der Vagina (urogenitales Syndrom)
  • Vasomotorische Symptome: Hitzewallungen, Nachtschweiß, Schlafstörungen

Etwa 80 Prozent der Frauen erleben Symptome, davon ein Drittel ausgeprägt.

Was eine Hormonersatz-Therapie leistet

HRT (Hormone Replacement Therapy) gibt Östrogen und meist Progesteron zur Symptomlinderung. Die Diskussion um HRT war lange polarisiert. Die WHI-Studie von 2002 hatte die Therapie zunächst stark in Verruf gebracht.

Spätere Re-Analysen und neue Studien haben das Bild differenziert. Die ELITE-Studie (Hodis und Mack 2018) und neuere Daten zeigen klar:

  • HRT in den ersten 10 Jahren nach Menopausen-Beginn (sogenanntes Window of Opportunity) bietet kardiovaskulären Schutz
  • HRT nach mehr als 10 Jahren Menopause hat ein anderes Risiko-Profil
  • Transdermales Östradiol (Pflaster, Gel) ist sicherer als orale Tabletten
  • Mikronisiertes Progesteron hat weniger Brustkrebs-Risiko als synthetische Gestagene

Die Endocrine Society und die International Menopause Society empfehlen HRT für Frauen unter 60 oder innerhalb der ersten 10 Jahre nach Menopause-Beginn, bei moderaten bis schweren Symptomen oder bei nachgewiesen erhöhtem Osteoporose-Risiko.

Wer profitiert besonders

Drei Gruppen.

Erstens, vorzeitige Menopause (vor 45). Hier ist HRT bis zum durchschnittlichen Menopause-Alter empfohlen, weil sonst lebenslange Risiken überwiegen.

Zweitens, schwere Hitzewallungen und Schlafstörungen, die die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen.

Drittens, Frauen mit niedriger Knochendichte, bei denen Osteoporose-Prävention im Vordergrund steht.

Risiken und Kontraindikationen

HRT ist kontraindiziert bei aktivem Brustkrebs, kürzlichem Schlaganfall oder Herzinfarkt, schwerer Lebererkrankung, Thrombophilie. Brustkrebs-Risiko ist leicht erhöht bei langer Therapie, aber kleiner als oft befürchtet (etwa 1 zusätzlicher Fall pro 1.000 Frauen pro Jahr nach 5 Jahren).

Was Lebensstil zusätzlich bringt

Krafttraining ist der wichtigste nicht-hormonelle Hebel für Knochenstärke. Mediterrane Ernährung mit ausreichend Eiweiß. Regelmäßige Bewegung. Phytoöstrogene aus Soja haben moderate Effekte bei manchen Frauen.

Die Östrogen-Diskussion hat sich in den letzten Jahren grundlegend gewandelt. Wer in den 2000ern Angst vor HRT bekommen hat, sollte sich heute neu informieren.

Primärquellen

Eine Auswahl peer-reviewter Primärquellen wird in einer kommenden Version verlinkt. Für klinische Entscheidungen konsultiere bitte qualifizierte ärztliche Beratung.