Coronary Calcium Score (CAC)
CT-Quantifizierung von Verkalkungen in den Herzkranzgefäßen. Was sagt der CAC-Score über mein Risiko und ab welchem Wert sollte ich aktiv werden?
Inhalt
Was der Coronary Calcium Score ist
Der Coronary Calcium Score (kurz CAC oder Calcium-Score) misst, wie viel Kalk sich bereits in den Herzkranzgefäßen abgelagert hat. Die Untersuchung dauert 10 Minuten, ist schmerzfrei und benötigt kein Kontrastmittel. Sie liegen in einer schnellen Computertomographie (CT), das Gerät macht ein paar Aufnahmen Ihres Herzens, ein Algorithmus zählt die kalkhaltigen Punkte und summiert sie in einem Score.
Der Score wird in Agatston-Einheiten angegeben, benannt nach dem amerikanischen Kardiologen Arthur Agatston, der das Verfahren in den 1990er Jahren etabliert hat. Je höher der Wert, desto mehr Kalk, desto fortgeschrittener die Atherosklerose.
Warum dieser Wert besonders aussagekräftig ist
Klassische Risiko-Rechner wie der ESC-Score oder der Framingham-Score schätzen Ihr Herzinfarkt-Risiko aus Alter, Cholesterin, Blutdruck und Rauchen. Sie schätzen also indirekt. Der Calcium-Score schaut direkt hin. Er zeigt, was tatsächlich in Ihren Arterien passiert ist, und nicht nur, was statistisch passieren könnte.
Die MESA-Studie (Detrano et al. 2008, NEJM) hat das eindrucksvoll belegt. 6.722 Erwachsene ohne bekannte Herzerkrankung wurden über fünf Jahre verfolgt. Personen mit einem CAC von 0 hatten ein extrem niedriges Herzinfarkt-Risiko, etwa 1 in 1.000 pro Jahr. Personen mit einem CAC über 300 hatten ein 9-fach höheres Risiko, unabhängig von ihrem Cholesterin.
Noch interessanter: Die Mortensen-Analyse (2017, JACC) zeigte, dass ein CAC von 0 bei Menschen mit ansonsten erhöhtem Risikoprofil die Herzinfarkt-Wahrscheinlichkeit so weit senkt, dass eine vorbeugende Statin-Therapie meist nicht mehr nötig ist. Ein klares Beispiel dafür, wie eine direkte Messung ärztliche Empfehlungen ändert.
Wie der Score interpretiert wird
- 0: keine sichtbaren Plaques, sehr niedriges Risiko in den nächsten 10 Jahren
- 1 bis 99: leichte Verkalkung, Statin-Therapie individuell abwägen
- 100 bis 299: moderate Verkalkung, Statin und Lifestyle deutlich empfohlen
- ab 300: starke Verkalkung, fortgeschrittene Atherosklerose, intensive Therapie
Wichtig dabei: Der Score muss in das Alter eingeordnet werden. Ein CAC von 100 mit 35 Jahren ist alarmierend. Mit 70 Jahren ist er eher durchschnittlich. Moderne Auswertungen zeigen den Score deshalb als Perzentile an, also wo Sie im Vergleich zur Altersgruppe stehen.
Wann der Test sinnvoll ist
Der CAC ist kein Routine-Test für jeden, sondern lohnt sich in vier Konstellationen.
Erstens, bei Erwachsenen zwischen 40 und 70 mit grenzwertigen Risikofaktoren (LDL leicht erhöht, leichter Bluthochdruck, leichte Familien-Vorgeschichte), wo unklar ist, ob ein Statin sinnvoll wäre.
Zweitens, bei Familien-Anamnese mit frühen Herzinfarkten unter 55 (Vater) oder 65 (Mutter). Hier kann der Test Klarheit schaffen, ob die Genetik schon zugeschlagen hat.
Drittens, bei Statin-Verweigerern, die nach einem objektiven Beweis für die Notwendigkeit suchen. Ein CAC über 100 überzeugt erfahrungsgemäß auch hartnäckige Skeptiker.
Viertens, bei erhöhtem Lp(a), weil Lp(a) das Atherosklerose-Risiko unabhängig vom LDL erhöht und der CAC zeigt, ob sich das Risiko schon manifestiert hat.
Kosten und Strahlung
In Deutschland kostet ein Calcium-Score 200 bis 350 Euro als Selbstzahler-Leistung. Die meisten Krankenkassen übernehmen ihn nicht. Die Strahlenbelastung ist mit etwa 1 mSv niedrig, vergleichbar mit einer Mammographie oder dem natürlichen Hintergrund eines Jahres in höheren Lagen.
Was nach dem Test passiert
Ein hoher Score schreit nicht nach Operation. Stents oder Bypässe sind reserviert für Patienten mit Symptomen oder hochgradigen Verengungen. Bei Patienten ohne Beschwerden ist die Antwort fast immer medikamentös und Lebensstil: konsequente ApoB-Senkung mit Statin oder PCSK9-Hemmer, Blutdruck-Optimierung, Inflammation senken, manchmal niedrig dosiertes Aspirin.
Der Calcium-Score ist eine der wertvollsten Einzelbestimmungen, die ein präventiv denkender Mensch in der zweiten Lebenshälfte machen kann. Er verschiebt die Risiko-Diskussion von der Statistik in die Realität.
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Eine Auswahl peer-reviewter Primärquellen wird in einer kommenden Version verlinkt. Für klinische Entscheidungen konsultiere bitte qualifizierte ärztliche Beratung.

